KULTUR


Eingepackte Bäume

Die Bäume sind Symbole des Lebens (Holztafel in einem brasilianischen Urwald bei Foz do Iguaçu)

Architektur, Kunst und Natur in der Fondation Beyeler. Mein Heimatdorf, die "Stadt" Riehen schreibt Kulturgeschichte.
Lauter Freude herrscht bei Publikum und Medien, wenn Christo und Jeanne-Claude sich dran machen, 163 Bäume in Plastic zu hüllen. Bin ich wirklich der Einzige, der da grübelt anstatt sich zu freuen?

Trotzdem immer mehr Menschen auf Bäume als Sauerstoffproduzenten angewiesen sind, fallen sie überall auf der Welt unserem nicht mehr zu bremsenden Wachstumsdrang zum Opfer: Als Platz für Monokulturen oder Betonwüsten, als Bau- und Brennholz, als Papierlieferant.
Dass der Baum Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten ist, interessiert nur Spezialisten.

Die Bedeutung des Baumes, (in seiner Mehrzahl "Der Wald") für die Zukunft des Planeten wird nur von Wissenschaftern erkannt. Die Wirtschaft ist ausschliesslich an seinem kurzfristigen Nutzen interessiert.

Längerfristig planen können Politiker im gegenwärtigen Wirtschaftssysstem ohnehin nicht.
Wen kümmert's, dass die Bäume dieser Welt im beschleunigten Tempo verschwinden? Wen kümmert's, dass Tierarten ausgerottet werden, bevor wir sie überhaupt kennenlernen konnten? Wen kümmer's, dass uns Heilpflanzen für immer verloren gehen.
Ohne Rücksicht auf die Zukunft unserer Nachkommen werden Bäume gefällt, verbrannt und niedergewalzt im verzweifelten Versuch, die steil ansteigende Bevölkerungskurve einzuholen.

Das wirkliche Kunstwerk ist der Baum selbst. Ein vollendetes Kunstwerk der Natur. Der Wald und seine Bewohner brauchen zum Ueberleben nicht den Menschen sondern dessen Abwesenheit.

Ist Verhüllen wirklich das, was Bäume von uns brauchen?
Was geschieht beim Vernichten der Plastichüllen?
Warum eigentlich die grosse Zahl an verhüllten Bäumen? Sind nur ein paar von ihnen noch kein Kunstwerk?

Die siebenstellige Summe, die für das Einhüllen von Bäumen in Riehen aufgewendet wird, könnte vielleicht ein paar Quadratkilometer Urwald für nachhaltigen Gebrauch retten.

In der Kunst gilt nur noch die Suche nach neuen Ufern als wirklich erwähnenswert.
Wenn einer in der Tate Gallery eine Backsteinmauer aufstellt; wenn jemand farbige Kleckse als "transzendentale Wirklichkeit" auf die Leinwand bringt; wenn ein Jazzmusiker seinem Saxophon quietschende Töne entlockt, so wird das als grossartige Erweiterung des Kunstschaffens beklatscht. Der status quo der zeitlosen, grossen Kunstwerke wird bestenfalls noch als Ausgangspunkt für die zeitgenössische Kunst wohlwollend belächelt.

Lieber spende ich den Gegenwert des Eintritts an dieses "Ereignis" für das Pflanzen eines Baumes, die Förderung der Familienplanung oder den Bau einer Schule in Entwicklungsländern.

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