|
|||||||||||||||||||||
Die Rede ist hier nicht von der Manipulation ganzer Völker durch charismatische Führerfiguren. Vielmehr geht es um das Einlenken der Massen auf etwas das ''man" tut. Die steuernden Elemente dahinter sind kluge Manager auf ihren Gebieten, denen es gelingt bei ihrem Zielpublikum ein gewünschtes Verhalten einzuleiten ohne dass sich die Opfer dessen bewusst werden. Das ist eben Manipulation.
Als Schüler Brillat-Savarins und anderer Exponenten der
französischen Küche haben wir gelernt, dass S a l a t
ein Beigericht zum Hauptessen ist. Das hat seine guten
kulinarischen Gründe.
Seit etwa 20 Jahren gilt dieser Grundsatz nicht mehr. Heute
heisst es "Nehmen Sie einen Salat zum Voraus?" Und Sie
nehmen ihn zum Voraus, den Salat. Zusammen mit Brot und dem Wein,
der ohnehin lange vor dem Essen auf dem Tisch steht. So haben die
Gäste etwas zu tun und können ihren Appetit stillen während
sie auf das Essen warten. Damit sind wir auch schon bei der
Ursache angelangt, warum der Salat plötzlich zur Vorspeise
erklärt wurde. Nämlich dass die Ungeduld wartender Gäste die
klugen Restaurateure veranlasste etwas schnell Angerichtetes zu
servieren. Das und nicht etwa neue ernährungsphysiologische
Erkenntnisse ist der Grund warum jetzt alle ihren Salat vor dem
Essen geniessen. Das Warten auf das Essen ist in der Tat für
viele Gäste und Wirte ein Problem. Doch wieder einmal scheint
mir die englische Lösung die bessere zu sein. Während man sich
im Pub oder in der Bibliothek unterhält, bittet der Gastgeber
mit "Dinner is served" zu Tisch. Also wechselt man die
Umgebung und erhebt die Hande zum hoffentlich lecker bereiteten
Mahle.
Der erste Schluck Bier ist der beste, wenn man so richtig Durst
hat, pflegte meine Mutter zu sagen. Auch der erste Bissen zartes
Fleisch scheint mir besonderen Genuss zu geben, der sich bei den
nachfolgenden Bissen nicht mehr so intensiv wiederholt. Wenn aber
meine ersten Bissen dem Salat gelten, so ist das nachfolgende
Entrecote bestenfalls noch ein Hungerstiller.
In den 15 Jahren seit Einführung der Salat-Manipulation ist es
mir gelungen ganze zwei Menschen aufzutreiben, die sich
a) noch an den Salat als Beigericht erinnern und
b) nicht vorschreiben lassen wann sie ihren Salat zu essen haben.
Der Rest scheint sich damit zu begnügen, seine Esskultur
den "allgemeinen Gepflogenheiten" anzupassen.
Back to Culture