Alternativen zum Zucker

Über den süssen Geschmack

Teil 1


1. Süsse Stoffe und Süssstoffe

Der Hang zur Geschmacksempfindung "süss" ist einerseits so alt wie die Menschheit, andererseits wird er auch dem Individuum schon als Säugling anerzogen, denn Muttermilch enthält Milchzucker.
Süsser Geschmack wird von einer Reihe von Stoffen erzeugt, die chemisch nicht miteinander verwandt sind.
Offenbar wird hierzulande Ernährungskunde nicht zur Allgemeinbildung gerechnet. In dieser Sicht ist die Ungewissheit des Konsumenten in der Terminologie der Zucker und der künstlichen Süssstoffe leicht erklärbar.
Zweck dieses Vortrags (Artikels) ist insbesondere, Klarheit in der Begriffsbestimmung "natürlich" und "künstlich" zu schaffen. Als erste Näherung genügt die Einteilung der in Industrie und Haushalt verwendeten süssen Stoffe in drei Gruppen:


  Wiss. Name Pop. Name Vor-
kommen
Her-
stellung
Kalorien Diabetes
Eignung
Zahn-
schäd-
lichkeit
Süss-
kraft
  Dextrose
Glucose
Trauben-
zucker
Früchte Stärke
halbsynth.
4 kcal/g - 0.6
Echte
Zucker
Fructose Frucht-
zucker
Früchte Stärke
halbsynth.
4 kcal/g + 1.5
  Lactose Milchzucker Milch Extraktion 4 kcal/g - 0.5
  Saccharose "Zucker" Rüben,
Rohr
Extraktion 4 kcal/g - 1.0
                 
  Cyclamat Assugrin - synthetisch ? + 30
Künstl.
Süss-
stoffe
Saccharin Hermesetas - synthetisch ? + 300
  Aspartam Canderel - halbsynth. 4 kcal/g + 180
                 
  Sorbit - Früchte Stärke,
halbsynth.
2 kcal/g + 0.6
Zucker-
aus-
tausch-
stoffe
Xylit "Birken-
zucker"
Früchte,
Gemüse
Holz-
abfälle,
halbsynth.
2 kcal/g + 1.0
  Isomalt Palatinit - Malz,
halbsynth.
2 kcal/g + 0.7

Zur Gruppe der echten Zucker gehören der Rohr- oder Rübenzucker - im Volksmund schlechthin "Zucker" genannt -, der Traubenzucker, der Fruchtzucker und der Milchzucker. Alle vier kommen in der Natur vor, aber nur Rohrzucker und Milchzucker werden durch Extraktion gewonnen.

Künstliche Süssstoffe sind um ein Vielfaches süsser als die echten Zucker und in der Natur nicht anzutreffen.

Für die dritte Gruppe steht leider kein besserer deutscher Ausdruck als "Zuckeraustauschstoffe" zur Verfügung. Die meisten Zuckeraustauschstoffe gehören chemisch nicht zu den Zuckern, können aber auch nicht den künstlichen Süssstoffen zugerechnet werden, da deren Vertreter in der Natur vorkommen. Trotz natürlichen Vor-kommens werden sie nicht extrahiert, sondern auf halbsynthetischem Weg hergestellt.

2. Natürlich - naturidentisch - synthetisch

Der Begriff "natürlich" ist beispielsweise anwendbar auf den im Haushalt verwendeten Rohr- oder Rübenzucker, denn er wird in unveränderter Form, so wie er in Rohr oder Rübe vorkommt, durch Extraktion gewonnen. Dabei wird vom Bestandteil Zucker weder etwas weggenommen, noch etwas dazugefügt. Wir werden noch auf diese Art von "Natürlichkeit" zurückkommen.

Zuckeraustauschstoffe, wie z.B. Xylit oder Sorbit finden sich in Früchten und Gemüsen, jedoch ist ihre Konzentration dort so gering, dass sich eine direkte Extraktion nicht lohnt. Daher werden diese Stoffe auf halbsynthetischem Weg hergestellt: Xylit aus Holzzucker, Sorbit aus Traubenzucker. Es ist von wissenschaftlicher Seite her unbestritten, dass diese halbsynthetischen Stoffe mit den in der Natur vorkommenden identisch sind. Ebenso sind gewisse synthetische Farbstoffe und synthetische Vitamine naturidentisch.

Sind natürliche Stoffe gesünder als synthetische, bzw. naturidentische?

Diese Frage klären wir am besten an dem folgenden Beispiel:

Wenn ich behaupte, ein Glas frischgepresster Orangensaft sei gesünder als ein Glas Wasser mit einer Vitamin C Tablette, so mag dies im Hinblick auf hier nicht näher definierte andere Wirkstoffe im Orangensaft stimmen. Hingegen wäre die Behaupt-ung, das natürliche Vitamin C im Orangensaft sei gesünder als das synthetische aus der Tablette, grundsätzlich falsch. Synthetisches Vitamin C lässt sich weder chemisch noch biologisch vom natürlichen unterscheiden.

3. "Gesunde" und "ungesunde" Kohlenhydrate

Kohlenhydrate (Hauptbestandteil von Zucker, Getreide, Kartoffeln etc.) sind die wichtigsten Energielieferanten in unserer Nahrung. Die meisten sind ausserdem Träger von Vitaminen und Mineralsalzen (Getreide, Kartoffeln etc.). Zucker hingegen ist ein reines Kohlenhydrat. Als solches leistet er keinen Beitrag an die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Das wird auch gar nicht von ihm verlangt. Er wurde geschaffen, um vom Menschen erfundene, neue Lebens- oder Genussmittel (Kaffee, Schokolade, Kuchen) mit einem reinen, süssen Geschmack zu versehen. Gewöhnlicher Zucker ist in mancher Hinsicht bemerkenswert:

Rohrzucker oder Saccharose stammt bekanntlich aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr. Saft, aus Rüben extrahiert oder aus Rohr gepresst, wird durch verschiedene Reinigungsverfahren von seinen Begleitstoffen befreit. Im über 98% reinen Endprodukt befindet sich praktisch nichts als Zucker aus dem ursprünglichen Naturprodukt. Brauner Zucker oder Rohzucker ist nichts anderes als weniger gereinigter Zucker, weshalb er auch einen charakteristischen Nebengeschmack hat. Er enthält nur unbedeutende Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen (siehe nachfolgende Aufstellung:)

Weiter im Text