Karies ist die Folge regelmässigen Konsums
fermentierbarer Kohlenhydrate. Mundbewohnende Bakterien bauen
Zuckerreste zu Säure ab, die den Zahn-schmelz angreift.
Dabei übernehmen die Zuckerreste für die Bakterien die
Rolle eines Energielieferanten.
Xylit ist als einziger, natürlicher Zuckeraustauschstoff
nicht fermentierbar, d.h. die Mundbakterien können Xylit
nicht als Energiequelle verwerten, wodurch auch die Bildung von
Säure unterbleibt. Dies könnte unter anderem mit
folgender Hypothese erklärt werden:
Im Verlaufe ihrer jahrtausendealten Evolution
haben die Bakterien der Mundhöhle "gelernt", alle
mit unserer Nahrung aufgenommenen Zucker abzubauen. Alle diese
Zucker sind Gebilde mit sechs Kohlenstoffatomen oder Vielfachen
von sechs. Man kann sie sich als Türschlösser mit sechs
Zacken vorstellen. Die Bakterien haben den dazu passenden
Schlüssel (Enzym) mit den entsprechenden sechs Kerben
entwickelt und sind somit in der Lage, alle sechszackigen
Schlösser mit ihren sechskerbigen Schlüsseln
aufzuschliessen.
Nun ist aber Xylit ein Zucker mit fünf Kohlestoffatomen.
Dazu fehlt den Bakterien der entsprechende Schlüssel. Sie
sind daher nicht in der Lage Xylit abzubauen und somit kann auch
keine Säure gebildet werden, welche den Zahnschmelz
zerstört. Es wäre denkbar, dass die Bakterien im
Verlaufe ihrer weiteren Evolution einen fünfkerbigen
Schlüssel entwickeln. Dies wäre aber zum mindesten ein
sehr langsamer Prozess und zudem, im Hinblick auf den geringen
Mengenanteil an Xylit, wenig wahrscheinlich.
Ein totaler Ersatz des normalen Zuckers durch Xylit wäre
schon aus preislichen Gründen unrealistisch. Xylit wird aus
land- und forstwirtschaftlichen Nebenprodukten gewonnen und muss
einem komplizierten und teuren Reinigungsverfahren unterworfen
werden.
Die gegenwärtige Jahresproduktion beträgt etwa 6000
Tonnen, gegenüber 90 Millionen Tonnen Zucker. Der totale
Ersatz des normalen Zuckers ist in karies-prophylaktischer
Hinsicht auch gar nicht notwendig, denn es ist unbestritten, dass
eigentlich nur ein Bruchteil dieses Riesen-Zuckerberges für
die Zahnkaries verantwortlich ist (10). Es handelt sich um
klebrige und lange im Munde verweilende Süsswaren (Kaugummi, Toffees, Caramels, Lutschtabletten),
süsse Produkte, die in kleinen Mengen, aber öfter am Tage genossen werden.