Die tagtägliche Katastrophe

Von Ruedi Suter



Irrtum der Natur?
Leider hinterlässt der schlechte Weltzustand aber den Eindruck, wir seien "Irrläufer der Evolution" (Arthur Koestler). Denn gehen wir davon aus, dass jede Problemlösung neue Probleme gebiert und die sich offensichtlich verschärfenden Probleme in ihrer komplexen Gesamtheit angegangen werden müssten, dann sieht es düster aus - für uns und die Erholung und Genesung des Lebewesens Erde: Die Jahrmillionen alte Schöpfung erweist sich da doch viel zu kompliziert, als dass sie der Mensch in seiner Beschränktheit und mit seinem heutigen Wissensstand schnell mal nachahmen oder wieder flicken könnte. Überdies scheinen wir selbst in den "fortschrittlichsten" Gesellschaften unfähig, die menschengemachten Notstände der Gegenwart als Ganzes wahrzunehmen und daraus die Konsequenzen zu ziehen.

Beweisstücke
Stattdessen wird trickreich verdrängt. Doch die Probleme bleiben - und vervielfachen sich. Dazu braucht es keine Beweise mehr, sie liegen vor. Sorgfältig zusammengetragen, analysiert, mit Zahlen verdeutlicht und festgehalten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, von der UNO, von Regierungskommissionen, Rückversicherungen, Philosophen, Naturbeobachtern und von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen verschiedenster Ausrichtung.

Ernüchternde Zahlen
Ein Überblick, sehr unvollständig:Jeden Tag werden 70 bis 300 Tier- oder Pflanzenarten ausgerottet. Tendenz steigend. Der biologischen Vielfalt wird von allen Seiten zugesetzt. 70 Prozent der Fischbestände im Meer sind überfischt, 20 Prozent der Süsswasserfische bereits ausgestorben oder bedroht. Das Tempo des Artensterbens verschnellert sich. Die Ursache? Vorab der Mensch mit seinen stets raffinierteren Ausbeutungstechniken, seinem stetig steigenden Bedarf an natürlichen Ressourcen und seiner Vermehrung auf bereits über 6 Milliarden Menschen. (Erfahren Sie die Zahl für diesen Augenblick hier.)

Unsere Atmungsluft
Jede Sekunde verschwindet Wald in der Grösse eines Fussballfeldes. 25 Staaten haben keinen Wald mehr, 29 höchstens noch 10 Prozent. Die Folgen des globalen Kahlschlags: Tod der Waldvölker und Waldtiere; Verlust des Kohlenstoffspeichers; Destabilisierung des Klimas; Zunahme von Bodenerosion, Überschwemmungen und Lawinen; Verlust der Abflussregulierung, Grundwasserneubildung und Wasserfiltrierung; Verlust von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Tourismusattraktionen - und schliesslich das atemraubende Verschwinden eines erst bruchstückhaft erkannten Schatzes an biologischer Vielfalt, Kulturpflanzen und medizinisch verwendbarer Stoffe.

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