Hollywood in Panik


Das schweizerische Amt für Kultur hat uns ein neues Gesetz beschert - sozusagen ein Geburtstagsgeschenk zum 1. August - Der Import von Filmen der Region 1 auf DVD ist seit dann verboten. Die Bürokraten reagieren damit nur auf das Diktat der amerikanischen Filmindustrie.

Seit Spielfilme für den Privatgebrauch das Medium gewechselt haben von der VHS Videocassette zur Digital Versatile Disk hat Hollywood die Welt in ein Korsett gezwängt.
Die USA und Canada sind Region Eins; Europa, Grönland, Südafrika, der Nahe Osten und Japan sind Region Zwei; Südostasien ist Region Drei; Central- und Südamerika plus Australien sind Region Vier; Afrika und ein Grossteil Asiens sind Region Fünf und China ist Region Sechs.
Disks, die in einer dieser Regionen verkauft werden, sind so codiert, dass sie nur auf Spielern der entsprechenden Region abgespielt werden können.
Offenbar war diese Einschränkung ungenügend. Jetzt klopfen die Monopolisten an die Türen der Regierungen in dem Teil der Welt, den die Amerikaner den Freien Markt nennen.

Ob die Verantwortlichen des gigantischen Unterhaltungsimperiums realisieren, was die Konsequenzen für die Filmliebhaber der Welt, ihre Kunden, sind?
Ich bezweifle es.

Der Grund für die neueste Demonstration von Arroganz aus Kalifornien ist die Angst, dass DVDs auf den Markt kommen, bevor die Leinwandpremière in anderen Regionen stattgefunden hat. Frage: Stellt das Grund genug dar, auch den Verkauf von DVDs mit Filmen älteren Datums zu verbieten?

Ab sofort wird niemand mehr in einem nicht-englischsprachigen Land Originalfilme bekommen.

In der allemannischen Schweiz, wo originalsprachige Filme auf der Leinwand und manchmal am Fernsehen die Regel sind, ist man nun gezwungen sogenannte Deutsche Versionen zu sehen. Sie sind in Berlin von einem Wenzel Lüdecke synchronisiert und irritieren, weil der Dialog unter dem Zwang zur Lippensynchronität leidet.
Slangy Gags von - sagen wir einem Eddie Murphy oder Marty Feldman - , die auf deutsch übersetzt wurden, tönen wie unter einer preussischen Pickelhaube entwichene Befehle. Wie wollen die Synchronisatoren da beispielsweise unterscheiden zwischen einem amerikanischen Strassenjungen, einer englischen Adeligen und einem australischen Schafzüchter? Vielleicht indem sie den einen im bayrischem Dialekt, den andern mit schweizerischem Akzent reden lassen? Uebersetzte Dialoge sind ungeniessbar und doch werden wir künftig nichts Anderes mehr vorgesetzt bekommen.
Die vielen englischsprachigen Gäste in Ländern, die von den Filmbossen drangsaliert werden, ignoriert man einfach. Ein Amerikaner, der bei uns arbeitet, wird mit einer Filmversion vorlieb nehmen müssen, die für sie/ihn den Wert eines Stummfilms hat.

Zudem muss eine ganze Handelsbranche von Importeuren, Verleihern und Ladenketten darunter leiden. Die Erpresser in Hollywood kümmert das nicht.

Zum Glück können wir immer noch original DVDs via Internet bestellen. Plus Porto, Verpackung und Zoll, versteht sich.
Jetzt, da die meisten ausländischen Regierungen im Gleichschritt marschieren, überlegen sich die Moguls der Unterhaltungsindustrie sicherlich, wie sie dieses letzte Schlupfloch auch noch stopfen könnten. Wann wird auch der Export von Region 1 DVDs verboten?
Dann verbleibt uns nur noch ein Weg, diese idiotischen Hindernisse zu umgehen: Der Einkauf von DVDs in Grossbritannien. Das UK ist Region 2 wie wir, aber dort haben sie noch Originale. Im doppelten Sinn.


Zurück zur Home Page

Zurück zu Movies