Polyglot Gems


Some strange linguistic developments

  

 


Jäger und Jägerlatein


In Kenya's Nationalparks machte ich die Erfahrung, dass man sich vielen Wildtieren problemlos nähern kann, wenn man in seinem Auto bleibt.

Sobald man den Wagen verlässt, oder auch nur die Türe öffnet, tritt eine Reaktion ein, die je nach der Situation in dem sich die Tiere befinden, aus Flucht oder Angriff besteht.

Mit anderen Worten:
Den Wildtieren ist das blecherne Ungetüm als harmlose Erscheinung bekannt. Die spezifische Fluchtdistanz ist gegenüber dem blossen Menschen deutlich vergrössert.

Das im Vergleich zum Menschen um ein Vielfaches grössere Fahrzeug kann dem Wildtier nur seit wenigen Jahren bekannt sein. Trotzdem ist die spezifische Fluchtdistanz deutlich kleiner.
Der Mensch wird sofort als gefährlich erkannt.

Wenn der Mensch also seit wenigstens sechzig Jahren keine Waffen mehr auf wildlebende Tiere gerichtet hätte, so wäre ein Zusammenleben mit Tieren in der freien Natur wohl wieder möglich.

Die Jäger sind sich des umstrittenen Charakters ihres Hobbys wohl nicht erst seit neuerer Zeit bewusst.

Seit geraumer Zeit werden beschönigende Begriffe verwendet, die in die Umgangssprache eine Verharmlosung des Tötens einbringen sollen.
So heisst die aus dem verwundeten Tier rinnende Körperflüssigkeit nicht etwa Blut sondern "Schweiss".
Wenn Jäger ein wildes Tier ins Jenseits befördert haben, so wurde es nicht etwa getötet oder gar ermordet, nein es wurde ja nur "erlegt".

Noch schlimmer beschönigen Jäger im englischen Sprachbereich ihr Tun.
Wissen Sie wie das Töten von Walen und Robben genannt wird?
"Harvesting" !!! Das heisst wörtlich "ernten". Die Beschönigung soll vorgaukeln, dass es um nichts Schlimmeres als das Abschneiden von Gras handle.

Das verstehe ich unter Jägerlatein; nicht die Prahlerei mit der Grösse der Beute.


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