Misshandeltes Englisch in der deutschen Sprache | |||||||||||||||||||||
Englisch ist eine wichtigere Sprache als Deutsch, weil es von einem grossen Teil der Weltbevölkerung verstanden wird und weil es einfacher, flexibler und für Wortneuschöpfungen geeigneter ist.
Die Einverleibung englischer Wörter in die deutsche Sprache hat eine sehr lange Geschichte.
Nach einigen Jahrzehnten aber, sieht sie jedermann nur noch als "deutsche" Wörter.
Wer weiss heute noch, dass die nachfolgenden Substantive einst alle aus dem Englischen kamen?
Tunnel, Block, Film, Sport, Trick, Park, Lift, Bus, Start, Tank, Top, Stop, Tip;
letztere beiden allerdings als "Stopp" und "Tipp" falsch geschrieben.
Häufig übernimmt das Deutsche Fachwörter aus dem Englischen.
Die Einverleibung geschieht oft unüberlegt und teilweise sinnentfremdet.
So wird einem englischen Begriff im Deutschen plötzlich eine neue Bedeutung verpasst. Zwei Beispiele:
Receiver. Im Englischen ein Radioempfänger, im Deutschen wird es zur Kombination eines Radios mit einem Verstärker.
To mail ("mailen"), bedeutet "per Post versenden". Das Deutsche übernahm den Begriff und gab ihm einen veränderten Sinn: Mailen heiss jetzt auf einmal "per e-mail verschicken".
Gänzlich falsch ist die deutsche Anwendung von mobbing.
Laut Lexikon (Encyclopaedia Britannica): "The violence of a large or disorderly crowd; esp: one bent on riotous or destructive action".
Mobbing ist was einem in der New Yorker Subway passieren kann.
Die Bedeutung im Deutschen wird zu "Belästigung am Arbeitsplatz", was aber auf Englisch "harassment" heisst.
Die Deutschen nahmen das englische Wort "Analyst" und machten etwas Neues daraus.
"Analyst" bedeutet ganz einfach "Analytiker".
Im Englischen ist das in erster Linie ein Chemiker, der die Zusammensetzung von Stoffen untersucht (Das Gegenstück zum Synthetiker).
Mit dem gleichen Namen werden im Englischen auch Bankfachleute bezeichnet, die sich mit der Dynamik von Börsenkursen befassen.
Um letzteren Spezialisten zu beschreiben kreiert das verkrampfte "Neudeutsch" also einen völlig unnötigen Begriff, den "Analisten" Er wird nur für Börsianer verwendet; Chemiker dürfen weiterhin Analytiker bleiben. Beide analysieren etwas, aber nur einer bekam einen neuen Namen aus dem Englischen - falsch geschrieben, versteht sich.
Es gibt Ausdrücke, die im Englischen immer in der Mehrzahl verwendet werden, wenn sie ein ganzes Gebiet umschreiben.
Dazu gehören: electronics, optics, physics, mechanics und classics.
Das hindert unbeholfene Geschäftsleute natürlich nicht daran das Endungs -s einfach fallen zu lassen. Aber Englisch soll der neue Name auf jeden Fall sein, auch wenn die unfreundliche Übernahme mislingt.
Vor einiger Zeit kamen zwei neue SRG Radiosender daher. Erfreulicherweise waren es
diesmal sog. Spartensender, d.h. Programme, die sich auf eine Art von Musik
spezialisieren.
Jetzt suchte man Namen für die beiden. Klar war vorerst nur, dass wiederum die englisch Sprache dazu herhalten muss.
Man kommt auf: "Swiss Kultur und Jazz" sowie: "Swiss Classic"
Fragt sich nur: Wenn schon Kultur und nicht Culture, warum dann nicht gleich
"Schweizer Kultur und Jazz"?
Um die Antwort gleich zu geben: Weil diese Wort-Kleptomanen Angst hatten,
das Publikum erwarte dann Ländler und Jodeln. Also lässt man als
einzige Konzession an unsere Sprache das Wort Kultur mit seinem xenophoben
"K" stehen. Resultat: Ein Name aus einer Gemischtwarenhandlung.
Der andere Sender heisst "Swiss Classic" anstatt Swiss Classics
Zahlreiche Firmen nennen sich "Müller Electronic", Huber Mechanic oder "Meier Optic".
Wenn es unbedingt Englisch sein muss, warum nicht gleich korrektes Englisch?
Verben kennen im Englischen die -ing Form für aktuelle Tätigkeiten:
"I sometimes write" (ich schreibe manchmal - unbestimmte Zeit)
"I am writing" (ich schreibe - gerade jetzt)
Ein mit horizontal ausgerichteten Flügeln geflogener vertikaler Kreis heisst "Loop". Inside loop, wenn er mit der Flugzeugoberseite nach innen, outside loop, wenn er mit der Oberseite nach aussen geflogen wird.
Warum nennen wir das auf Deutsch "Looping"?
Die Erklärung ist ebenso einfach wie amüsant:
Es war wohl bei einer Vorführung englischer oder amerikanischer Kunstflug-Piloten, als das Manöver bei uns erstmals beobachtet wurde.
Die Leute müssen dann die Piloten gefragt haben, was sie da vollführten.
Die Antwort war logischerweise: "We're looping the loop", denn so heisst die Durchführung eines Loops. (Wir schlaufen die Schlaufe)
Noch ein Beispiel mit ähnlichem Fehler, diesmal wird das "-ing" fallen gelassen:
Die Klimatisierung heisst auf englisch air conditioning.
Bei uns wurde unglücklicherweise daraus "Die Aircondition".
Die Amerikaner haben ein Kürzel für hochentwickelte Technologie.
Sie nennen es "hi-tech". Hi steht zwar manchmal für "hello", hier aber für "high". Das Anhängsel "-tech" ist einfach die Abkürzung von technology.
Ausgesprochen wird das Gebilde wie "Hai-Tek".
Jetzt, wo die Deutschen den Begriff übernommen haben, bekommen sie Schwierigkeiten mit seiner Aussprache. Sie legen los mit "Hai-Techh", wobei das chh tönt wie eine Kreuzung, halbwegs zwischen dem Fauchen einer Katze und dem gälischen ch, wie in "Loch". Die erste Hälfte wird englisch, die zweite deutsch ausgesprochen!
Für die Sprecher wäre es besser den ganzen Begriff zu verdeutschen: Hoch-Tech, die erste Hälfte mit einem Schnarch-Laut, die zweite mit dem Rachen-Kratzer auszusprechen, wie bei dem unglücklichen Sprachbastard.
Im Englischen kennt der Buchstabe "A" verschiedene Ausprachen.
Die normale Phonetik ist "ä", wie im schweizerdeutschen Härd. Da die deutsche Sprache diesen Vokal nicht kennt, wird es als "e", wie in Geld, bestenfalls wie in Mehl gesprochen (Los Ehntscheles).
Das ist natürlich falsch. Unsere Schweizer Radio- und TV Sprecher, von sich aus fähig, ein "ä" auszusprechen, haben bei den Deutschen gelernt, Englisch zu verunstalten.
Lange Zeit wurden wir Schweizer wegen diesesem "ä" von unseren nördlichen Nachbarn belächelt
Heutzutage übernimmt die deutsche Sprache en masse englische Ausdrücke und bietet Gelegenheit deren Aussprache unsererseits zu belächeln.
Natürlich gibt es die Ausprache von A als E auch im Englischen.
Beispielsweise statistics wie in "Härd", aber
statement, wie in "Engel".
Englisch ist zwar eine der am leichtesten zu erlernenden Sprachen, aber oft fehlen bindende Regeln für die Aussprache. Zum Beispiel "pássenger", auf der ersten, aber "avénger", auf der zweiten Silbe betont.
Note to my English and American readers:
Perhaps, as a guest in one of the German speaking countries, you master both but are reluctant to voice your disgust about what is being done to your native tongue.
My own language is losely related to German and it is threatened by germanisms.
I have no qualms to criticise both of these mistreatments.
You are welcome to let me know any errors you found or share your opinion.
- Felix
Publiziert am 1. Januar 2007.