Über den Verzicht schweizerischen Sprachoffenheit
zugunsten germanistischer Xerophobie


Nr. 8 in einer Serie

Als mehrsprachiges Land bedienten wir bis vor kurzem einer erfrischende Anzahl von "Fremd"-Wörtern aus dem Französischen sowie aus den Sprachen des klassischen Altertums.
Dass diese internationalen Begriffe langsam verschwinden, liegt ironischerweise an der zunehmenden Globalisierung der Medien.
Es lohnt sich einfach nicht mehr für eine Leserschaft von "nur" 6 Millionen zu schreiben oder zu senden. Also sucht man einen gemeinsamen Nenner für deutschsprachige Völker. Erst Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen machen einen rentablen Markt aus.
Dabei muss die Minderheit ihre Besonderheiten der Mehrheit opfern. Ob das von Gutem ist, bleibt fraglich.

Hier ein paar Beispiele:

Während wir seit Jahren viele Fremdwörter aus dem Französischen in unsere Sprache aufgenommen haben, werden dieselben Begriffe bei den Deutschen -im Zuge der Modewelle- aus dem Englischen entlehnt: "der Rapport" (CH) kommt aus dem Französischen, "der Report" (D) kommt aus dem Englischen. Lange vor dem gequälten "Service" (Sörwiss ausgesprochen) kannten wir das französische "service".
In der Schweiz heisst es "die Etikette" und weder "das Etikett" noch "das Label". Wegen dieser unterschiedlichen Herkunft ist der Artikel in den beiden Sprachen verschieden. Da das Französische männliche und weibliche Artikel kennt, das Englische nicht, heisst es im deutschen Deutsch "das Limit" (aus: the limit), im schweizerischen Deutsch aber "die Limite" (aus: la limite). Warum ist das für die schweizerischen Sprecher so schwer zu begreifen?
Geradezu ärgerlich wird es, wenn bei uns althergebrachte Begriffe, wie Couvert oder Enveloppe zum germanischen "Umschlag" werden. Oder wenn die international verständliche Adresse zur "Anschrift" degeneriert.
Es gibt unzählige solcher Beispiele die belegen, wie die Passivität der Medien das schweizerische Deutsch langsam zugrunde richtet.

Siehe auch Wörterbuch zur Reinhaltung der Deutschen Sprache.


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