Kann man ein Volk anhand der Leute, die man kennengelernt hat,
richtig beurteilen? Wir glauben es nicht. Nachdem, was wir bis
jetzt erlebt haben, erscheinen uns die Panamenier - ohne hier
verallgemeinern zu wollen - als gutmütig/friedfertige,
bequeme, anspruchslose Leute. Nicht gerade brilliant,
gleichgültig/uninteressiert und leider sehr grausam mit
Tieren. Man nimmt es mit der Ehrlichkeit nicht sehr genau und
Lügen und Stehlen im Kleinen wird nicht für schlecht
angesehen. Das Hauptinteresse gilt dem Bindin, der nationalen,
volkstümllchen Tanzmusik. Die Lotterie rafft auch noch zur
Begeisterung auf. Viele Mädchen haben ein oder mehrere
uneheliche Kinder. Ein Verantwortungsgefühl bei den
Männern ist noch nicht vorhanden. Von Alimenten zahlen oder
gar Heiraten ist in den wenigsten Fällen die Rede, ausser
natürlich in der dünnen Oberschicht. Formell
verheiratet ist man im Interior selten, was weniger verpflichtet,
warum man oft noch eine Frau in Panama und eine weitere in
Santiago oder so hat.
Die guten Leute können uns nicht von den Gringos
unterscheiden. So werden hier, etwas verächtlich, die
US-Amerikaner genannt. Was ihnen dabei entgeht ist, dass sie
selber eine Kopie der Gringos sind. Allerdings eine unscharfe,
leicht verschwommene. Sie kennen eben nur Fremde aus USA und
merken nichts vom Unterschied in Kleidung, Lebensgewohnheiten,
Accent etc, der uns weiter von den Amerikanern distanziert, als
sie selbst. Einige scheinen tatsächlich zu glauben, die Welt
bestehe nur aus Panameniern und Nordamerikanern. Zum Teil
gereicht ihnen ihr "Amerikanertum" auch zum Vorteil.
Hätten sie ausser ihrem lateinischen Element nicht auch noch
ein angelsächsisches, so gäbe es bei den üblichen
Revoluziönli auch hier mehr Blutvergiessen. Aber
"amerikanisch" sind sie nun einmal, ob sie es wahrhaben
wollen oder nicht. Sie spielen Baseball, zahlen mit
amerikanischem Geld, sie haben ausschliesslich amerikanische
Fernseh-programme und alle täglichen Gebrauchsgüter
sind sofort als "made in USA" zu erkennen. Sie wollen
das Dezimalsystem und das metrische System einführen,
können aber nicht, da sie
technisch-wirtschaftlich-historisch-pädagogisch von den
Amerikanern durchdrungen sind. Wenn sie eine Einweihung oder
Amtsübernahme haben, so schwören sie auf der Bibel, wie
die Amerikaner. Wenn sie die Matur bestehen oder einen
Uniabschluss feiern, so kleiden sie sich in lustige, viereckige,
schwarze Zipfelhüte, genau wie die Amis. Die Essgewohnheiten
in den Städten sind typisch amerikanisch: Salz, wo wir
Zucker erwarten und Zucker anstelle von Salz. Gefärbte
Nahrungsmittel und Getränke mit künstlichen
Aromastoffen (violett und giftgrün). Ueberflüssig zu
sagen, dass natürlich auch die Kleidung, die Erziehungs- und
Schulmethoden, das Fehlen von Handwerkern, sämtliche
technischen Installationen, sowie die Struktur ihrer
Gesellschaftsmoral ganz dem amerikanischen Muster entsprechen.
Auf der anderen Seite wird ihnen ihre amerikanische
Charakterhälfte zum Verhängnis, wenn sie sich, als
Bewohner eines Entwicklungslands, vom Reichtum der Amerikaner
falsche Vorstellungen machen. Sie sehen eben nur
Äusserlichkeiten, wenn sie das Auto, den Kühlschrank
oder den Goldring am Finger als wichtigstes Merkmal des
Amerikaners betrachten. Dass diese Dinge eben durch Fleiss,
Ausdauer und Geduld erworben worden sind, kommt ihnen nicht in
den Sinn. Ein typisches Erlebnis von Felix, als er noch allein in
Panama war, möge diese Betrachtung illustrierend
abschliessen:
Ich kaufte eine Sonnenbrille "zum Verlieren". So eine
aus Plastic mit gewöhnlichen Gläsern, die bei uns Fr.
3.50 und hier $ 3.50 kosten. Nachdem ich mich auf einen Stuhl
gesetzt hatte, auf dem sich gerade diese Sonnenbrille befand,
versuchte ich in Panama-City einen Optikerladen zu finden, wo man
mir das zerbrochene Glas ersetzen konnte. Aber ohalätz! Nach
drei Läden, wo man mich von obenherab ansah und mir kaum
Antwort gab, fand ich schliesslich einen, dessen kaugummikauender
Verkäuferjüngling, ohne vom Jojospiel abzusehen,
lächelnd die Lösung offerierte: Werfen Sie das Ding
doch weg. In der ganzen Stadt finden Sie keinen, der Ihnen eine
Reparatur macht. Eine neue Sonnenbrille kommt billiger! So eine
Haltung wäre zwar in den USA noch verständlich, wo die
Kosten für Rohmaterial tief, die Kosten für Handarbeit
hingegen hoch sind. In Panama ist die Situation aber umgekehrt:
hohe Rohstoffpreise (z.B. zahlen wir in der Fabrik 3,5 Cents/lb
für Tomaten, gegenüber 1,5 Cents in USA) und niedere
Löhne (33 Cents/h für Hilfsarbeiter). Aus der Not eine
Tugend machend, lernt man Reparaturen selber durchzuführen.
Heute repariere ich kaltblütig die kompliziertesten
Apparate, vor denen ich früher im Respekt erstarrte und
deren Reparatur eidgenössischen Gesetzes wegen verboten
wäre.
Oder: Sie gehen in eines der wenigen Restaurants im Interior,
wischen den Schmutz des Vorgängers von Stuhl und Bartisch
und bestellen einen Cognac. Inzwischen werfen Sie einen Blick ins
Lokal. Zu jeder Stunde des Tages werden Sie nur Männer
erblicken. Frauen, der einzige, wirklich bemerkenswerte
"Rohstoff" des Landes, haben im Cafe nichts zu suchen.
Ausser dem Freilufttanz gibt es überhaupt kein
Zusammentreffen gesellschaftlicher Art für die Jungen.
Während Sie so in Gedanken versunken der Abwesenheit der
schönen Panamenierinnen mit ihrer goldbraunen Haut
nachtrauern, gewahren Sie gerade noch rechtzeitig den Barmann,
der Ihnen einen grossen Eismocken in den Cognac schleudern will.
Das geht noch, aber schauen Sie mal hin in was er Ihnen Ihren
Cognac bringt! Richtig, es ist einer jener amerikanischen
Cartonbecher, welche je nach ihrem Aufdruck "Dixie
Cups" oder "Hygienic drinking cups" heissen. Das
verschlägt einem den Atem, die Schuhbändel öffnen
sich im Schock und die Zigarette entgleitet Ihren Lippen und
fällt in den Spuck-Graben vor der Theke.
Die Barbarität des Cognac im Cartonbecher kann man den
Leuten wegen Unwissenheit gerade noch verzeihen. Aber dass in
einem Land, wo jeder Vierte arbeitslos ist, der
Geschirrwasch-Jüngling durch Wegwerfbecher ersetzt wird, ist
geradezu unverzeihlich.
Die Verschmelzung der Rassen hat hier die ursprüngliche
Zusammensetzung fast ganz verwischt. die Mehrzahl der Leute sind
Mulatten oder Mestizen. Daneben hat es auch einige Chinesen oder
Ganzweisse. Drei Indianerstämme leben heute noch in Panama
In San Blas sind es die Kuna-Indianer, die den Archipel von rund
360 Sand- und Palmeninseln bewohnen. Ihre farbigen
Baumwolltücher, genannt Mola, sind praktisch die einzige
Form von Kunstgewerbe in Panama. Die Kuna leben vom Tourismus und
vom Schmuggel mit Columbien. Genaueres über das Leben der
Kuna wird Euch unser einstündiger farbiger Tonfilm
berichten.
Ebenfalls im Atlantlk liegen die Mangroveninseln von Bocas del
Toro. Sie sind von Jamaica-Negern bewohnt, welche die United
Fruit Company für ihre Bananenplantagen dorthin gebracht
hat. Die Bevölkerung vermischt sich, im Gegensatz zu San
Blas, mit den Urbewohnern, den Guaymi-Indianern. Sowohl San-Blas
als auch Bocas sind von unglaublicher Schönheit, besonders
unter Wasser, doch auch darüber mehr durch unsere
Unterwasserfilme. In Bocas, zum Beispiel, kann man zwischen den
Wurzeln eines Mangrovenwaldes tauchen, wobei das Sonnenlicht
über den von Muscheln und roten Schwämmen
überwachsenen Wurzeln spielt und bunte Fische wie Vögel
durch einen verzauberten Märchenwald gleiten. All diese
Plätze sind vom Interior aus leider unerreichbar, wenn man
nicht mindestens drei Tage zur Verfügung hat. Die
Transportmöglichkeiten sind umständlich und
spärlich. Eine geologisch wahrscheinlich ältere
Inselgruppe liegt im Pazifik, 75 Kilometer südlich von
Panama-City. Die Islas de las Perlas sollen in nächster Zeit
touristisch entwickelt werden. Besonders die Insel Contadora, die
auch noch ein wenig Wald hat, wo rund vier Millionen investiert
werden sollen. Im Pazifik sind infolge der Verschmutzung des
Wassers keine lebenden Korallen zu finden. Es hat zwar
grössere Fische, aber die bunten Juwelen von Korallenfischen
fehlen. Ebenso fehlen vorläufig noch Hotels akzeptabler Art,
in denen sich Amerikaner und Europäer wohlfühlen
würden.
Der undurchdringbare Darien-Urwald ist laut "National
Geographic Magazine" einer der wenigen Orte der Welt, wo es
das ganze Jahr Wolken hat. Felix konnte nur einmal dorthinfliegen
und musste natürlich wegen Zeitmangel sofort wieder
umkehren. In diesem Urwald hat es Tapire, Pumas, Riesenschlangen,
Faultiere, kurz - das ganze Sortiment! Man müsste dort mit
einem Choco-Dorfpfarrer, der auch Spanisch kann, im Kanu den Rio
Tuira hinauf fahren, um das alles zu sehen. Wenn man dazu Zeit
hätte. Der Dariendschungel ist die Heimat der
Choco-Indiancr, des dritten und von der Zivilisation
unberührten Stammes in Panama.
Einzig erreichbar per Auto sind die beiden
"Höhenkurorte: El Valle im Krater eines verrauchten
Vulkans, wo es noch Wald gibt, Wildbäche und orangefarbene
oder blaue Fröschli, die wie Porzellanfiguren aussehen. Der
anddre Ort heisst Boquete und liegt auf einem Hochplateau am
Fusse des höchsten Berges Panamas - dem Baru, ebenfalls ein
Ex-Vulkan von 3'400 Metern. Beide Orte haben ein gemässigtes
Klima. Man trifft beim Erstaugust-Essen im Schweizerkonsulat
jeweils ältere Herren im "Sennechutteli", die
mühsam "Schwyzerdütsch" reden und die vor
fünfunddreissig Jahren ausgewandert sind, um dort die
Käsefabrikation einzuführen.
Im Landesinnern und auf vielen Inseln findet man noch massenweise vernachlässigte Lande-Pisten aus Sand, Erde oder gar asphaltiert, die von den Amerikanern nach dem zweiten Weltkrieg zurückgelassen wurden. Zur Zeit haben die Amerikaner nur noch einen Militärflugplatz in der Republik Panama und auch diesen ohne stationierte Flugzeuge. Aber in der Zone hat es drei grosse Basen und die ganze Flugsicherung liegt, zum Glück, in ihren Händen. Einige der alten Pisten können noch benützt werden, aber es fehlt, wie bei den Strassen, an Unterhalt. Vieles hat in dieser Hinsicht gebessert, seitdem die Militärregierung die Steuern erhöht hat und überall mit harter Hand durchgreift.
Wir haben in Panama ein Flugzeug gekauft, das auf den
schönen Namen "El Pelícano" hört und
uns dreien ermöglicht, innert 1 1/2 Stunden die Inselwelten
des Karibischen Meeres oder des Pazifiks zu erreichen. Die Flugi
steht 10 Kilometer von Natà entfernt neben einem
Privathaus bei der Piste von Aguadulce. Die Familie Fernandez mit
ihren 6 grossen Kindern und zwei Hunden bewacht den Pelikan aufs
Vortrefflichste. Beim Oelwechsel, der 25-Stunden-Kontrolle,
Reparaturen an Motor, Instrumenten oder Radio hilft die ganze
Familie mit. Ja, was haben Sie denn erwartet? Ohne sich die
Hände selber zu beschmutzen wäre es weder möglich
für $ 3.85 die Flugstunde ein Flugzeug zu betreiben, noch
überhaupt irgend einen Service zu bekommen. Der Ankaufspreis
dieser Occasionsflugi betrug rund das, was Mancher für
seinen "Sport"wagen bezahlt hat. Es kommt uns auch
billiger nach Panama-City zu fliegen, als per Auto dorthin zu
fahren, und dann brauchen wir auch nur halb so lang, laufen
weniger Gefahr, angefahren zu werden und gelangen entspannt dort
hin.
Nach und nach ist alles zusammengekommen, was man für den
Betrieb eines "eigenen" Buschflugplatzes braucht:
Kisten mit Oel, Benzin in Fässern, Benzinpumpe, Schlauch,
Trichter, Hirschleder, Luftpumpe für die Pneus, Seile zum
Anbinden, Reservematerial (sehr schwer zu erhalten) und .... ein
Windsack. Während zwei Jahren war Felix der absolut einzige
Benützer der Piste von Aguadulce. Jetzt hat er Konkurrenz
bekommen: Eine zweimotorige Beechcraft fliegt zweimal
täglich nach Panama und nach Santiago. Vor sieben Jahren
soll es hier zehn Privatflugzeuge gegeben haben, die aber alle
Bruch gemacht haben sollen oder nach Panama verkauft worden
seien. Auf der Piste tummeln sich friedlich Hühner, Hunde,
Frauen mit Kindern, Pferde und Rinderherden. Töffs und Autos
machen darauf Fahrschule und ein Lastwagen schoss einmal den
Vogel damit ab, dass er eine Ladung
Haushaltabfälle darauf ablud, Felix könnte ein Liedchen
davon singen, von wegen durchstarten und so. Vor einiger Zeit
landete General Torrijos mit seiner DC-3 dort, wozu die Piste
kaum ausreichte, und beschloss, etwas zu tun. Seither rollen die
Bulldozer über die geplagte Piste und man munkelt davon, den
ursprünglichen Zustand wieder herzustellen, d.h. 1500 m
Länge. Seither ist auch die sumpfige Stelle verschwunden,
die Felix nur durch allerhand Tricks umrollen konnte, wenn einmal
die Regenzeit richtig einsetzte: "Das waren noch Zeiten! Mit
der Machete schlug ich einen "Rollweg" durch den Busch,
worauf die Lastwagen die Gelegenheit benützten und auch
diesen Weg durch steten Gebrauch zum Sumpf machten. Heute spricht
man sogar von Asphalt, Kontrollturm und Umzäunung. Ein
regelrechter internationaler Flughafen soll aus unserer alten
Dreckpiste werden. Da haben die Steuerzahler gewiss ihre helle
Freude daran, wenn so eine Piste, die zur Zeit täglich ca.
sechs Bewegungen aufzählt (von denen zwei von einem nichts
einbringenden Ausländer stammen), für 400'000 Dollar
aufgemöbelt werden soll.
Ist nicht "Pelikan" der richtige Name für einen Vogel, der auch gerne fischt, fliegt und taucht? Sonnenbestrahlte und indianerbewohnte Koralleninseln, umgeben vom feuchten Regenwald, sind mit unserer Cessna 150 - der "Fluchtmaschine" wie die Reklame sagt - in unsere Wochenend-Reichweite gerückt. Die ganze Wunderwelt des tropischen Lebens unter dem Meeresspiegel vor sich zu haben, das ist - so sagt Felix - einer seiner Lichtpunkte im düsteren Entwicklungsland-Alltag. Der Pelikan bringt uns in kürzester Frist aus dem psychologischen Chaos der Kolonie-Intrigen und dem physischen Druck der Fabriksarbeit an den sauberen, blendend weissen Sandstrand, wo wir nach dem Picknick einen Sonntagnachmittag unter den farbigen Korallenfischen verbringen können. Es gibt natürlich keinen Wetterdienst und kein Mitteilungsblatt für Piloten. Auf unserer Fernsehantenne drehen sich ein Anemometer und ein Windrichtungs-anzeiger, mit denen sich ein do-it-yourself Wetterdienst improvisieren lässt. Die Navigation ist in Panama nicht schwierig. Neben der Interamericana und den beiden Ozeanen in Sichtweite, steht auch noch ein supermodernes Funkfeuer zur Verfügung. Das Wetter ist selten bösartig, vor allem bleiben die Gewitter lokal und brausen nicht mit Geschwindigkeit über's Land wie in Europa. Nur wenige Male war es uns nicht möglich, durch das Wetter zu fliegen. Nicht einmal das kleinste "Loch" war vorhanden, durch das sich die andere Seite erreichen liesse, sodass wir gezwungen waren, in einer Art Indianerhütte zu übernachten. So einen Flug beschreibt auch unser Panamafilm, zu dem wir Euch hoffentlich alle (bitte nicht gleichzeitig') bald einmal begrüssen dürfen.
Ja, ohne unseren 2 1/2-Plätzer wäre manches Erlebnis
nie zustande gekommen. So zum Beispiel, eine Methode zu finden,
die flinken Korallenfische unter Wasser zu fangen und sie
zusammen mit Langusten und Kaurischnecken im Plasticbeutel unter
Sauerstoff, lebend heim ins Meerwasseraquarium zu bringen. Aber
auch Süsswasserfische fingen wir beide in den tropischen
Bächen. Prachtsexemplare, die nur einen lateinischen Namen
haben und in der Schweiz im Aquarienladen zu Fr. 3.50 bis 35.--
gehandelt werden. Wir brauchten zum Fang eine "Taraia",
ein kreisrundes, am Rand mit Blei beschwertes Wurfnetz. In einem
Tümpel nahe bei Natà hat Flo den Rekord aller Zeiten
mit einem unbekannten prachtvollen Aquarienfisch von zwanzig cm
Länge für sich gebucht. Der Riesenkerl - wir nannten
ihn "Jojo" - lebte viele Monate in unserer guten Stube.
Sein Lieblingsessen waren kleinere Aquarienfische. Wir haben ihn
schliesslich wieder dorthin gebracht, wo er herkam.
Der uns am nächsten gelegene Pazifikstrand Santa Clara ist
von Konservenbüchsen und Coca Cola-Flaschen
übersät. Das Meer ist schmutzig und die Wellen hoch.
Zudem sieht es Felix für haiverdächtig an. Ob wir denn
nicht Angst haben vor den Haien, wollen Sie wissen?
Natürlich haben wir. Aber sehen Sie, die Welt unter Wasser
ist hier so schön, dass auch die mögliche Gegenwart
gefährlicher Haie keinen davon abhält, der einmal
schwerelos über die farbigen Korallengärten gegleitet
ist. Sie fahren schliesslich auch weiterhin auf der Strasse
herum, obwohl Sie wissen, dass es Betrunkene gibt, die, weil
völlig unberechenbar, einem im Handumdrehen etwas Böses
zufügen können. Hingegen taucht man
selbstverständlich nie allein und nie, wenn die Sicht unter
Wasser schlecht ist. Felix hat schon drei Stunden lang an der
Aussenseite des San Blas-Riffs getaucht, zusammen mit drei
Amerikanern vom "Peace Corps", während unter ihnen
ein 1,5 m langer Hai von ihm unbekannter Art die längste
Zeit kreuzte, ohne die geringste Notiz von ihnen zu nehmen. Diese
Amerikaner, Tom und Mac waren während zwei Jahren als
Freiwillige im Urwald von San Blas tätig, wo sie eine
landwirtschaftliche Schule aufbauten und leiteten, um den
Indianern neuzeitliche Pflanzenbaumethoden beizubringen. Sie
hatten in den zwei Jahren ordentlich die Sprache der Kuna gelernt
und Einblick in das Stammesleben gewonnen, verliessen aber das
Land im Bewusstsein der Enttäuschung, nichts erreicht zu
haben. Und richtig, nach ihrer Abreise wurde die Schule
aufgelöst, die von der US-Air Force in den Urwald geflogenen
Hütten einem anderen Zweck übergeben und der Wald
gerodet. Felix, der einmal dort übernachtet hatte, traute
seinen Augen kaum.
Oft laden wir ein oder werden eingeladen. Die Auswahl ausserhalb der Kolonie ist natürlich beschränkt. Umso erfreulicher, dass die Regierung Ihrer Majestät beschlossen hat, ein paar sympathische junge Ehepaare zur Entwicklungshilfe nach Aguadulce zu entsenden. Die Engländer haben nämlich in ihrer Freizeit ein Betonfundament von einem alten Hangar auf dem Flugplatz zum Tennisplatz umgebaut. Das ist die einzige Gelegenheit im Interior, diesen gesunden Sport zu treiben. Leider stehlen ihnen die Leute fortlaufend Drahtgeflechte von der Abzäunung, wahrscheinlich um daraus Hühnerställe zu bauen.
Trotz aller Kritik muss man in Panama doch die Fortschritte loben, die besonders in letzter Zeit auf den Gebieten von Erziehung, Verkehrsplanung und Gewinnung ausländischer Industrie-Investitionen erreicht worden sind. So ein Land zu entwickeln, das vor sechzig Jahren aus dem Nichts entstanden ist, ist eine Riesenaufgabe und man kann sich freuen, wenn Anzeichen vorhanden sind, dass in Zukunft die Steuergelder des Volkes nicht mehr in den Taschen einiger raffinierter Privatpersonen oder Beamter verrinnen, sondern zur allgemeinen Hebung des Standards der minder-bemittelten Bevölkerung verwendet werden sollen.
Uff Wiederluege in dr Schwyz !